Archiv für Juni 2010

Studien/Gutachten

Studie: Kostentransparenz bei Basis- (Rürup-) RentenversicherungenEine empirische Analyse der Kosteninformationen in den Produktinformationsblätter und deren Vereinbarkeit mit den gesetzlichen Vorgaben

Seit dem 1. Juli 2008 müssen Lebensversicherer ihren angehenden Kunden vor Vertragsschluss Informationen über bestimmte Kosten geben. Auszuweisen sind die in die Prämie einkalkulierten Abschlusskosten als einheitlicher Gesamtbetrag in Euro, die übrigen in die Prämien einkalkulierten Kosten als Anteil der Jahresprämie in Euro sowie die möglichen sonstigen Kosten in Euro, und zwar grundsätzlich auch im Produktinformationsblatt. Mit dieser Regelung wird bezweckt, dass sich Versicherungsnehmer rechtzeitig bevor sie sich zum Abschluss eines Versicherungsvertrages entscheiden über die Kosten des Vertrages informieren können. Die Transparenz soll dem Kunden eine selbstbestimmte Entscheidung beim Vertragsschluss ermöglichen.

In der empirischen Analyses wurden die Kostenangaben in den den Produktinformationsblättern der meisten der 50 umsatzstärksten Lebensversicherungsgesellschaften in Deutschland am Beispiel der Basis-(Rürup-) Rentenversicherungen untersucht und bestätigte die Befürchtungen: Die Angaben ermöglichen keinen Vergleich von Produkten anhand der Gesamtkosten. Für einen Vergleich fehlen wesentliche Kostenangaben. Auch eine Gesamtkostenkennzahl suchen Kunde und Vermittler fast immer vergeblich. Die derzeit gemachten und vorgeschriebenen Kostenangaben sind gänzlich ungeeignet, um das vom Gesetzgeber mit der VVG-InfoV verfolgte Ziel, Transparenz als Grundlage für den Vergleich von Produktkosten herzustellen, zu erreichen. Der aktuelle Zustand ist auf drei Ursachen zurückzuführen:

  • Die gesetzlichen Vorgaben erfassen wesentliche Kostenbestandteile nicht.
  • Der Gesetzgeber hat Informationspflichten erlassen, die den Versicherungsgesellschaften Spielräume bei den Kostenangaben lassen. Diese Spielräume werden umfangreich und phantasievoll ausgeschöpft.
  • Zum Teil halten sich die Versicherungsgesellschaften nicht an die gesetzlichen Vorgaben.

Im den Analyseergebnisse werden die einzelnen Kostenarten zusammengefasst und Verstöße gegen gesetzliche Vorgaben, die öfters festgestellt wurden, erläutert. Es ist zu betonen, dass der Gesetzgeber keine Produktregulierung vorgenommen hat, sondern den Unternehmen ausdrücklich Spielräume bei der Gestaltung der Produktinformationsblätter eingeräumt hat. Diese Spielräume wurden durch die Versicherungsgesellschaften ausgenutzt, zum Teil so weitgehend, dass die Kosten nicht mehr berechnet werden können, teilweise nicht mal erkennbar sind und ein Kostenvergleich ausscheidet. Dennoch kann dies teilweise nicht zu Lasten der Versicherungsgesellschaften ausgelegt werden, weil diese nur von den ihnen überlassenen Freiräumen Gebrauch gemacht haben.

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